4. Erziehungsanstalt: Freistatt

Veröffentlicht auf von Helmut

Der Name der Anstalt sagt an sich schon genug: Freistatt      

                                                                                                                              

Aus:   http://www.bildergalerie-diepholz.de/html/wietingsmoor.html

 "Die mitten im Wietingsmoor liegende Diakonie Freistatt wurde 1899 von Friedrich von Bodelschwingh gegründet. Hier sollten “Wanderarme” (Obdachlose) untergebracht werden und nach dem Motto “Bete und arbeite” das Moor kultivieren. Der ursprüngliche Gedanke, die “Wanderarmen” im Moor als Moorkolonisten anzusiedeln, erwies sich von Anfang an als unrealisierbar. So wurden sie im Moor als sogenannte “Arbeiterkolonien” in Heimen untergebracht und als Arbeitskräfte in den Wirtschaftsunternehmen der Diakonie (Torfwerk, Gärten, Werkstätten) eingesetzt. Für die “Wanderarmen” war es zumeist keine freie Entscheidung, die Diakonie Freistatt anzulaufen, denn Betteln und Landstreicherei waren bei Strafe verboten. Gleichzeitig war Freistatt von Anfang an eine Erziehungsanstalt (Fürsorgeerziehung) für Jungen. In Freistatt wurden die Zwangszöglinge im Alter zwischen 14 und 21 Jahren bis in die 1970er Jahre wie Strafgefangene behandelt und als unentlohnte Zwangsarbeiter in der Torfwirtschaft der Diakonie ausgebeutet. Ihre Arbeitskraft kompensierte das Defizit der in ihrer Leistungskraft stark eingeschränkten “Wanderarmen” der Arbeiterkolonien. Abgelegenheit, Isolierung, Erniedrigung, harte Disziplinierung und Anwendung der Prügelstrafe waren das “Erziehungs”- konzept bei den Jugendlichen. Dabei hatte ein beträchtlicher Teil der Jungen im Gegensatz zur landläufigen öffentlichen Meinung nie eine Straftat begangen. Grund für die Einweisungen waren oftmals lediglich zerrüttete Familienverhältnisse, Scheidung oder Tod von Elternteilen und ähnliches bis hin zur “Freiwilligen Fürsorgeerziehung” aufgrund Überforderung der Eltern bzw. des Vormundes.  

Wietingsmoor

 Wietingsmoor bei Freistatt (Mitte Mai 2005). Was aussieht wie Schnee, ist Wollgras. Die Landschaft befindet sich im Sukzessionsstadium unmittelbar nach der Wiedervernässung: Noch sind Umrisse der alten Torfstiche und abgestorbene Birken zu sehen.

  aus Bildergslerie-Diepholz


Ältester Gebäudetrakt des Erzeihungshauses “Moorburg” in Freistatt (Foto von 2007). Drei Fenstergitter am Giebel sind noch erhalten! Ursprünglich waren alle Fenster vergittert. “Moorburg” wurde 1903 erbaut, 1962 erweitert und in “Wietingshof” umbenannt. Nach Aussagen eines Zeitzeugen, der zwischen 1977 und 1980 Zögling in Freistatt war, hatte “Wietingshof” noch Ende der 70er Jahre Gefängnischarakter mit vergitterten Fenstern und mehreren Einzelzellen.

                                                                  (aus Bildergalerie Diepholz)

Die Erziehungsanstalt “Moorhort” (erbaut im Jahre 1901) war eines von vier Erziehungshäusern in Freistatt und ist davon das einzige, das in seinem ursprünglichen Baustil erhalten geblieben ist. Laut Aussagen von Zeitzeugen waren die Freistätter Erziehungshäuser die Hölle. Das Gebäude dient heute anderen Zwecken. Zwei Karzer unter dem Dach sollen noch heute erhalten sein (Foto von 2005)


                                                                                 (Bildergalerie Diepholz)
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 Zellen, oberste Stockwerk     
                                             aus:   http://www.schlaege.com/html/aktuelles.html

User aus dem Diakonie- Forum:

"Info für die Freistatt(er) - schon älter!
Von 1910 bis in die 1970er-Jahre gab es eine Kultur der Gewalt in
Freistatt. Das geht aus den schriftlichen Berichten der Jugendhilfe-Einrichtung hervor. Für sein Buch "Endstation Freistatt", das im September dieses Jahres erscheint, kann sich Prof. Dr. Matthias Benad auf Tausende von Akten beziehen. Darüber hinaus hat der Leiter des Instituts für Diakonie- und Sozialgeschichte der Kirchlichen Hochschule Bethel mit ehemaligen Zöglingen gesprochen und Nazareth-Diakone interviewt, die damals für die Heimerziehung der männlichen Kinder und Jugendlichen zuständig waren. "Wir müssen uns heute fragen, inwieweit die Schläge und Demütigungen mit dem christlichen Selbstverständnis zu vereinbaren sind", sagt Prof. Benad.
Die Zöglinge im Alter von 14 bis 21 Jahren wurden als unentlohnte "Zwangsarbeiter" in der Torfwirtschaft der Diakonie eingesetzt. In der Abgelegenheit des Wietingsmoors gab es niemanden, dem sie sich hätten anvertrauen können. Disziplinierungen und die Prügelstrafe waren an der Tagesordnung. Gewalt erfuhren die Zöglinge aber auch von anderen Zöglingen. "Das wurde nicht nur geduldet, sondern gefördert", so Prof.Benad.
Ältere Jungen wurden zu Hilfserziehern gemacht, vergleichbar den Kapos in ehemaligen Straf- und Gefangenenlagern. Und sie waren nicht zimperlich mit ihren Strafaktionen. "Das kann den Hausvätern nicht entgangen sein", ist Prof. Benad überzeugt.
http://www.schattenblick.de/infopool/pan…e/ppber272.html

                                                                    Helmut (ehemaliges Heimkind)



                                                                                                    
                                                                                                                  aus:  http://www.schlaege.com/html/aktuelles.html
                Deckertau

                                                                       Bildergalerie Diepholz              
Einfahrt in das ehemalige Erziehungslager (Fürsorgeerziehung) Deckertau, mitten im Wietingsmoor, Dezember 2007. Eine Gedenktafel für die für ihr Leben geschädigten und gedemütigten Opfer sucht man hier bislang vergebens. 


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Bildergalerie Diepholz

Der Schuppen, der anstelle der 1963/64 abgebrochenen vergitterten Zöglingsunterkunft in Deckertau errichtet wurde aus nordwestlicher Richtung gesehen (September 2007)

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O
<br /> Lieber Moorkater,<br /> <br /> ich hoffe Du bleibst gesund um noch zu erleben, dass Dir eine Entschädigung für das erlittene Unrecht zukommt.<br /> Daram denken: am 15. April werden wir dafür in Berlin demonstrieren.<br /> Liebe Grüße Oerni<br /> <br /> <br />
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