1. Geboren in Schlesien
Ich bin 1942 in Schlesien geboren und wir wurden 1945 von den Polen aus diesem Land vertrieben. Mit meiner Mutter und meinem 2 Jahre älteren Bruder kamen wir nach West- Deutschland in ein klitzekleines Nest im Siegerland. Genau das hätte nicht passieren dürfen. Es wäre für uns alle besser gewesen, wenn wir in eine größere Stadt gekommen wären, aber es war nicht anders, nun saßen wir in dem klitzekleinen Nest, wo man uns nicht verstehen konnte, oder wollte, jedenfalls die Siegerländer sind so, wenn die einen nicht verstehen wollten, dann verstanden die einen nicht.
In der Nachkriegszeit, lag viel gefährliches Material in den Wäldern herum, es konnte auch Lebensgefährlich sein. Ich war gerade 4 Jahre alt, aber ein aufgewecktes Bürschchen. Bei uns, ganz in der Nähe war ein Wald. Ich schnappte mir einen Spaten, ging Richtung Wald, weil ich mir da eine 'Bude' bauen wollte. Ich dachte noch daran, womöglich eine 'Baumhütte' zu bauen, aber soweit kam es nicht denn ich sah etwas blinken, etwas helles von Metall. Es war Gewehrmunition. Ich konnte kaum auf meinen ( dürren ) Beinen stehen, aber ich hatte Vernichtungs-Material der Menschen in der Hand. Irgend ein Tier hatte das Verpackungsmaterial ( Oel, Papier ) aufgegraben, und nun lag das Zeug zum Aufsammeln herum. Ich nahm mir eine Patrone und ging zum Bach; dort war eine Brücke und auf beiden Seiten, ein Geländer. Das Metall Geländer hatte überall Löcher und das Projektil der Patrone passte genau in diese Löcher. Ich gleich probiert, wie ich das Projektil von der Patrone entfernen konnte, ohne daß diese knallte?! Das ging prima, das Projektil in eins der Löcher stecken, die Patrone etwas nach unten drücken, ein wenig die Patrone umdrehen, wieder etwas Druck und schon fiel das Projektil aus der Patrone heraus! So einfach ging das, aber ich war erst 4 Jahre alt und ich mußte gewaltig aufpassen, daß ich keinen Fehler machte. Ich holte erst einmal noch etwa 40 Patronen, um die auch zu köpfen. Projektil in das Metall Geländer, etwas Druck nach unten, dann die Patrone ein wenig drehen und wieder etwas Druck, danach fiel das Projektil aus der Patrone, was übrig blieb, war die Patrone mit Pulver, und das Pulver schüttete ich auf ein Häufchen und zündete es an. PFFF machte es, eine kleine Stichflamme und das war es auch schon.
Ich hatte mir schon Gedanken gemacht, was ich mit den Projektilen machen wollte. Also untersuchte ich erst einmal den (Inhalt ), es gab welche mit Metall und mit Blei drin und das waren die, die ich brauchte. Das Blei konnte man im Ofen ausschmelzen und übrig blieb dann die Metallspitze, worin sich nichts mehr befand. Das genau war mein Plan, denn ich wollte diese Spitzen auf meine Pfeile setzen. Nun brauchte ich noch einen Bogen. Es gab dort Haselnußsträucher und für ein aufgewecktes Bürschchen wie mich, war es einfach einen Bogen zu machen! Ich hatte nun Pfeile und Bogen genau wie Robin Hood, allerdings zu der Zeit hatte ich den Namen noch nie gehört. Da sich bei mir etwas meldete, was ich immer hatte, nämlich Hunger ging ich nach Hause zu meiner Mutter und aß eine Stulle mit Zucker, etwas anderes gab es damals noch nicht.