Runder Tisch: GEDANKEN EINES USERS

Veröffentlicht auf von Helmut

Verantwortung - Wiedergutmachung - Runder Tisch

Gedanken eines Users aus dem Diakonieforum :

"Hier im Forum wurde von verschiedener Seite gefragt, wie ich dem geschehenen Unrecht an den "Heimkindern" der frühen Jahre der BRD zu begegnen gedenke.

Zunächst geht es mir darum, dass unumwunden zugegeben wird, dass das Unrecht, das vielen von uns zugefügt wurde,
nicht nur die Schuld einzelner Individuen war, sondern systemimmanent angelegt.

Zweifellos war die Einzeltat im juristischen Sinn immer die Tat eines Einzelnen der sich normwidrig verhalten hat obwohl er hätte normgerecht handeln können. Das entbindet die Jugendämter aller Ebenen und die Kirchen aber zumindest nicht von einer Mitverantwortung.

Heimkinder waren nicht allein den Spannungen in der Gesellschaft ausgesetzt, sondern die Struktur der Anstalten setzte auch die Erzieher/innen besonderen Spannungen aus. Die Organisation der Einrichtungen verursachte Rivalitäten und Konflikte und diese wurden vielfach im Wortsinn, auf dem Rücken der Kinder/Jugendlichen ausgetragen. Vorgeblich handelten die Erzieher/innen, über deren Qualifizierung wenig bekannt ist, im Zeitgeist und vollbrachten ihr Werk nur im Stil der Erziehung, wie sie auch außerhalb der Heime angeblich üblich war. Hier wird darzustellen sein, dass es auch zur damaligen Zeit, bereits eine offene Kritik an solchen Erziehungspraktiken gab und es gerade die beiden großen Kirchen waren, die sich lange Zeit Einmischung in ihre Erziehungspraxis verbaten und eine wirkungsvolle Heimaufsicht verhinderten.

Formal waren Erzieher/innen auch zu dieser Zeit verpflichtet, im direkten Umgang mit den Kindern/Jugendlichen eine unterstützende Pädagogik zu betreiben und darauf zu achten, dass diese durch Erziehungsmaßnahmen nicht verletzt wurden. Da vielfach belegt werden kann, dass gegen diese Vorgaben verstoßen wurde, müssen in meinem Verständnis alle Vertreter von Staat, Kirchen und Behörden
öffentlich anerkennen, dass in einer Großzahl von Heimen beim Umgang mit Kindern/Jugendlichen häufig gegen den Geist des Art. 1 GG, "Die Würde des Menschen ist unantastbar ..." verstoßen wurde.

Ohne weitere Versuche der Schönrederei und Vertuschung müssen alle Interessen und Strukturen offen gelegt werden, die dieses System erlaubten und es geht um die notwendigen Konsequenzen die aus den 
Menschenrechtsverletzungen gezogen werden müssen. Für mich heißt das zwingend moralische und materielle Wiedergutmachung."
                                                                                                                        

Runder Tisch

"Zunächst ein Hinweis, ein Runder Tisch verfügt über keinerlei exekutive Möglichkeiten. Er kann deswegen nur dazu dienen, durch Gespräche einen möglichst breiten Konsens für ein Schlusskommunique zu erarbeiten, durch das die Legislative aufgefordert wird gesetzliche Grundlagen dafür zu schaffen, die die Haftung der Träger der Jugendhilfe rechtlich bindend machen. Es muss in diesen Gesprächen versucht werden sicherzustellen, dass zusätzlich auch diejenigen, die zu den früheren Täter(n)/innen in Solidargemeinschaft standen mit haften müssen. Um eine solche Empfehlung für die Organe der Legislative zu erarbeiten bedarf es auch des Taktierens um nicht am Ende gelackmeiert dazustehen. Dazu hier eine Zwischenbemerkung. Den "in der Mache" befindlichen Brief würde ich aus Taktgründen an "Dr. A. Vollmer ..." senden und nicht so unpersönlich adressieren, wie "An die Vorsitzende ...". Jeder von uns sollte wissen, wir wollen etwas.

In unserem Kreis hielt ich es eigentlich für müssig darauf hinzuweisen, dass der Schuldbegriff mehr enthält als nur die Norm des geltenden Rechts. Während unserer Heimzeiten erlebten wir doch, dass wir nicht nur unter Rechtsverstößen leiden mussten, sondern vielfach auch darunter, dass gegen die allgemeinen Normen der Religion, der Moral, des Takts und der guten Sitten gehandelt wurde. Jeder dieser Normen ist von den seinerzeit Verantwortlichen für öffentliche Erziehung verletzt worden: Ja die vorher Benannten haben die Normverletzungen selbst zu einer Norm ihres Erziehungssystems gemacht. Diese Verletzungen wurden kontrafaktisch und bar jeder Bereitschaft zu irgendeiner Einsicht selbst noch über die"Staffelbergaktion" hinaus zu praktizieren

strolch  (ehemaliges Heimkind)
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H
Heute, 09:14<br /> <br /> Nordwest 09.06.2009 <br /> <br /> <br /> Ex-Heimkindern Unterstützung zugesagt<br /> uwe Hannover.<br /> Niedersachsens Sozialministerin Elisabeth Ross-Luttmann hat misshandelten früheren Heimkindern Unterstützung beim Zugang zu Akten zugesagt. „Die Landesregierung will den ehemaligen Heimkindern helfen, damit die Betroffenen endlich mehr Licht in eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Jugendhilfe bekommen“, sagte Ross-Luttmann nach Angaben ihres Ministeriums gestern in Hannover im Anschluss an eine Konferenz mit Vertretern von Kirchen, Kommunen sowie Wohlfahrts- und Opferverbänden.<br /> <br /> Nach Angaben des Ministeriums hat das Niedersächsische Staatsarchiv in Hannover bereits 322 Personalakten sichern können. Auch in den sechs weiteren niedersächsischen Staatsarchiven werde recherchiert. Außerdem sollen Betroffene laut Ross-Luttmann Zugang zu Akten bekommen, die beiGerichten liegen. Auch der Niedersächsische Landkreistag unterstützte gestern die Bemühungen um Akteneinsicht, so Ministeriumssprecher Thomas Spieker. Er kündigte gegenüber unserer Zeitung an, es werde weitere Treffen geben, um auszuloten, was Niedersachsen für ehemalige Heimkinder tun könne. Einen Runden Tisch auf Landesbene, wie er von der SPD gefordert wird, lehnt das Ministerium laut Spieker weiter ab. „Das macht keinen Sinn“, sagte er mit Hinweis auf den Runden Tisch in Berlin. Dort müsse über zentrale Fragen wie etwaige Rentenansprüche gesprochen werden, sagte Spieker. <br /> Ross-Luttmann hatte bereits im Herbst 2008 alle, die in der Zeit von 1949 bis 1975 in Heimen in Niedersachsen untergebracht waren, aufgerufen, sich zu melden. Diesem Aufruf folgten „weit über 100 Frauen und Männer“, so das Ministerium. <br /> <br /> Insgesamt wuchsen in der fraglichen Zeit mehrere Hunderttausend junge Menschen in den überwiegend von den Kirchen getragenen Waisen- und Erziehungsheimen auf. Allein in Niedersachsen waren es nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 30000 und 50000. Viele der Betroffenen wurden geschlagen und gedemütigt. Zudem gibt es Berichte über sexuellen Missbrauch. Zahlreiche Heiminsassen mussten auch Zwangsarbeit leisten. <br /> <br /> In den Heimen war es ja so: Gesprochen wurde nicht, das war verboten. Wer sich daran nicht hielt, kriegte Schläge. Es gab also nichts, rein garnichts um sich zu beschweren. Das die Heimkinder damals nicht verrückt wurden, bei den Verboten und Schlägen, hatte mit Ihrer Jugend zu zu tun.<br /> <br /> Jeder hatte damals das Gefühl: Lange bleibste hier sowieso nicht. Es wurden Jahre, die diese Kinder ausharren mußten bis sich irgend etwas bei Ihnen verbesserte, veränderte und oft war das dann "nur" ein Umzug von einem Heim ins andere!<br /> <br /> der Moorkater
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H
Heute, 09:14<br /> <br /> Nordwest 09.06.2009 <br /> <br /> <br /> Ex-Heimkindern Unterstützung zugesagt<br /> uwe Hannover.<br /> Niedersachsens Sozialministerin Elisabeth Ross-Luttmann hat misshandelten früheren Heimkindern Unterstützung beim Zugang zu Akten zugesagt. „Die Landesregierung will den ehemaligen Heimkindern helfen, damit die Betroffenen endlich mehr Licht in eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Jugendhilfe bekommen“, sagte Ross-Luttmann nach Angaben ihres Ministeriums gestern in Hannover im Anschluss an eine Konferenz mit Vertretern von Kirchen, Kommunen sowie Wohlfahrts- und Opferverbänden.<br /> <br /> Nach Angaben des Ministeriums hat das Niedersächsische Staatsarchiv in Hannover bereits 322 Personalakten sichern können. Auch in den sechs weiteren niedersächsischen Staatsarchiven werde recherchiert. Außerdem sollen Betroffene laut Ross-Luttmann Zugang zu Akten bekommen, die beiGerichten liegen. Auch der Niedersächsische Landkreistag unterstützte gestern die Bemühungen um Akteneinsicht, so Ministeriumssprecher Thomas Spieker. Er kündigte gegenüber unserer Zeitung an, es werde weitere Treffen geben, um auszuloten, was Niedersachsen für ehemalige Heimkinder tun könne. Einen Runden Tisch auf Landesbene, wie er von der SPD gefordert wird, lehnt das Ministerium laut Spieker weiter ab. „Das macht keinen Sinn“, sagte er mit Hinweis auf den Runden Tisch in Berlin. Dort müsse über zentrale Fragen wie etwaige Rentenansprüche gesprochen werden, sagte Spieker. <br /> Ross-Luttmann hatte bereits im Herbst 2008 alle, die in der Zeit von 1949 bis 1975 in Heimen in Niedersachsen untergebracht waren, aufgerufen, sich zu melden. Diesem Aufruf folgten „weit über 100 Frauen und Männer“, so das Ministerium. <br /> <br /> Insgesamt wuchsen in der fraglichen Zeit mehrere Hunderttausend junge Menschen in den überwiegend von den Kirchen getragenen Waisen- und Erziehungsheimen auf. Allein in Niedersachsen waren es nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 30000 und 50000. Viele der Betroffenen wurden geschlagen und gedemütigt. Zudem gibt es Berichte über sexuellen Missbrauch. Zahlreiche Heiminsassen mussten auch Zwangsarbeit leisten. <br /> <br /> In den Heimen war es ja so: Gesprochen wurde nicht, das war verboten. Wer sich daran nicht hielt, kriegte Schläge. Es gab also nichts, rein garnichts um sich zu beschweren. Das die Heimkinder damals nicht verrückt wurden, bei den Verboten und Schlägen, hatte mit Ihrer Jugend zu zu tun.<br /> <br /> Jeder hatte damals das Gefühl: Lange bleibste hier sowieso nicht. Es wurden Jahre, die diese Kinder ausharren mußten bis sich irgend etwas bei Ihnen verbesserte, veränderte und oft war das dann "nur" ein Umzug von einem Heim ins andere!<br /> <br /> der Moorkater
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